Mikrostreifenleitung: Wellenwiderstandsberechnung mit uSimmics (ehemals QucsStudio) [2026]

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Was Sie lernen werden

  • Grundbegriff Wellenwiderstand und seine Bedeutung im PCB-Design
  • Physikalische Parameter, die den Wellenwiderstand beeinflussen (Leitungsbreite, Substratpermittivität, Substrathöhe usw.)
  • Starten und Bedienen des Line-Calculation-Tools in uSimmics (ehemals QucsStudio)
  • Eingabe von Substratdaten (εr, tanδ, Leitungsdicke) und Bedeutung der einzelnen Parameter
  • Vorwärtsrechnung (Breite → Wellenwiderstand) und Rückwärtsrechnung (Zo → Breite)

1. Was ist Wellenwiderstand?

Der Wellenwiderstand (Characteristic Impedance) beschreibt das Verhältnis von Spannung zu Strom auf einer Übertragungsleitung auf einem PCB. Er wird in Ohm (Ω) angegeben und kennzeichnet, wie leicht ein elektrisches Signal die Leitung passieren kann.

Vergleichbar mit dem Strömungswiderstand in einer Rohrleitung, der von Durchmesser und Material abhängt, wird das Verhalten elektrischer Signale auf einer PCB-Leiterbahn von deren Geometrie und dem Substratmaterial bestimmt. Der Wellenwiderstand ist der quantitative Ausdruck dieses Verhaltens.


2. Warum ist der Wellenwiderstand wichtig?

Stimmen Signalquelle, Übertragungsleitung und Last im Wellenwiderstand überein, wird das Signal verlustfrei übertragen – Reflexionen und Verluste bleiben minimal. Bei Fehlanpassung treten folgende Probleme auf:

  • Signalreflexionen: Zurücklaufende Wellen verschlechtern die Signalqualität.
  • Datenübertragungsfehler: Bei hochfrequenten Digitalsignalen entstehen Wellenformverzerrungen und Unterschwinger (Undershoot).
  • Erhöhte elektromagnetische Störaussendung (EMI): Stehende Wellen durch Reflexionen können unbeabsichtigte Abstrahlung verursachen.

Besonders bei Hochgeschwindigkeits-Digitalsignalen (ab 1 Gbps) und HF-Signalen (UHF-Band und höher) hat die Wellenwiderstandssteuerung direkten Einfluss auf die Signalintegrität. Als Standardwellenwiderstand wird in der HF-Technik allgemein 50 Ω verwendet.


3. Einflussfaktoren auf den Wellenwiderstand

Der Wellenwiderstand einer Mikrostreifenleitung (auf der PCB-Oberfläche geführte Leiterbahn) wird durch folgende physikalische Parameter bestimmt:

Leitungsbreite (Trace Width: W)

Leitungsbreite und Wellenwiderstand sind umgekehrt proportional: breitere Leiterbahn → niedrigerer Wellenwiderstand, schmalere Leiterbahn → höherer Wellenwiderstand. Für eine 50-Ω-Leitung gibt es je nach Substratmaterial und -dicke eine optimale Breite.

Leitungsdicke (Trace Thickness: T)

Dicke der Kupferfolie. Größere Dicke → breiterer Stromweg → niedrigerer Wellenwiderstand. Typische Werte: 18 µm (0,5 oz) oder 35 µm (1 oz).

Relative Permittivität des Substrats (εr)

Dielektrische Konstante des Substratmaterials. Höhere Permittivität → niedrigere Ausbreitungsgeschwindigkeit → niedrigerer Wellenwiderstand. Typische Werte:

Substratmaterial εr (relative Permittivität)
FR-4 4,2–4,8 (allgemein 4,5)
Rogers RO4003C 3,55
PTFE (Teflon) 2,1–2,2
Aluminiumoxid 9,5–10

Substrathöhe (Substrate Height: H)

Dicke des Substrats (Abstand von der Unterseite der Leiterbahn bis zur Massefläche). Größere Höhe → geringere Kapazität → höherer Wellenwiderstand.

Verlustfaktor (Loss Tangent: tanδ)

Maß für die dielektrischen Verluste des Substrats. Hat keinen direkten Einfluss auf den Wellenwiderstand, beeinflusst aber die Übertragungsdämpfung. Bei Hochfrequenzanwendungen müssen Substrate mit niedrigem tanδ gewählt werden.

Leitfähigkeit des Leiters (Resistivity)

Elektrischer Widerstand des Leiters (Kupfer). Für Kupfer: 1,72 × 10⁻⁸ Ω·m. Geringer Einfluss auf den Wellenwiderstand, aber Beitrag zur Übertragungsdämpfung.


4. Wellenwiderstandsberechnung mit uSimmics (ehemals QucsStudio)

Das „Line Calculation“-Tool von uSimmics (ehemals QucsStudio) berechnet den Wellenwiderstand aus den oben genannten Parametern.

Berechnungsbeispiel

Parameter Wert
Substratmaterial FR-4
Relative Permittivität (εr) 4,5
Substrathöhe (H) 1,5 mm
Leitungsdicke (T) 35 µm (1 oz Kupferfolie)
Ziel-Wellenwiderstand 50 Ω

Schritt 1: Line Calculation starten

  1. Im Menü von uSimmics (ehemals QucsStudio) „Tools“ auswählen.
  2. Im Dropdown-Menü „Line Calculation“ anklicken.
  3. Das Line-Calculation-Fenster öffnet sich.

Schritt 2: Strukturtyp auswählen

  1. Im Dropdown „choice“ die Option „Micro Stripline“ auswählen.
  2. Die für Mikrostreifenleitungen spezifischen Parametereingabefelder werden angezeigt.

Schritt 3: Substratparameter eingeben

Im Bereich „Properties“ folgende Substratdaten eingeben:

Parameter Eingabewert Beschreibung
εr 4,5 Relative Permittivität von FR-4 (aus dem Datenblatt des Substrats)
tanδ 0,02 Verlustfaktor von FR-4 (beeinflusst Hochfrequenzverluste)
Resistivity 1,72 × 10⁻⁸ Elektrischer Widerstand von Kupfer (Ω·m)
Conductor μr 1 Relative Permeabilität von Kupfer
Roughness lt. Substratspezifikation Oberflächenrauigkeit des Leiters (beeinflusst Skin-Effekt)
T 35 µm Dicke der Kupferfolie
H 1,5 mm Substrathöhe

Im Bereich „Parameters“ oben rechts die Zielfrequenz eingeben (z. B. 915 MHz oder 2,4 GHz).

Schritt 4: Wellenwiderstand berechnen und ablesen

Vorwärtsrechnung (Leitungsbreite → Wellenwiderstand):
1. Im Bereich „Dimensions“ den Wert für „W“ (Leitungsbreite) eingeben.
2. „Calculate“ anklicken (oder automatische Berechnung abwarten).
3. Der zugehörige Wellenwiderstand „Zo“ wird angezeigt.

Rückwärtsrechnung (Wellenwiderstand → Leitungsbreite):
1. „Zo“ auf den Ziel-Wellenwiderstand (50 Ω) setzen.
2. Die erforderliche Leitungsbreite „W“ wird automatisch berechnet und angezeigt.


5. Berechnungsbeispiel

Unter den obigen Bedingungen (FR-4, εr = 4,5, H = 1,5 mm, T = 35 µm) ergibt sich für einen Wellenwiderstand von 50 Ω eine erforderliche Leitungsbreite von W = 2,77624 mm.

Dieser Wert kann direkt als Leitungsbreite im PCB-Layout verwendet werden.


Zusammenfassung

Der Wellenwiderstand ist ein grundlegender Parameter im PCB-Design, der entscheidend für Signalqualität und maximale Leistung einer elektronischen Schaltung ist. Das Line-Calculation-Tool in uSimmics (ehemals QucsStudio) berechnet aus Leitungsbreite, Substratpermittivität und Substrathöhe sofort den Wellenwiderstand – und ermöglicht auch die umgekehrte Berechnung der erforderlichen Leitungsbreite für einen Ziel-Wellenwiderstand.

In der Hochfrequenz-PCB-Entwicklung ist eine präzise Wellenwiderstandssteuerung unerlässlich, um Reflexionen und Verluste zu minimieren und die Signalübertragungseffizienz zu maximieren.


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