Leitungsimpedanz von Striplines berechnen mit uSimmics (ehemals QucsStudio) [2026]

Werkzeug

Was Sie lernen werden

  • Strukturelle Unterschiede zwischen Stripline und Microstrip sowie deren typische Einsatzbereiche
  • Bedeutung und Einfluss der physikalischen Parameter auf die Leitungsimpedanz
  • Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Impedanzberechnung in uSimmics (ehemals QucsStudio)
  • Vorwärtsrechnung (Breite → Impedanz) und Rückwärtsrechnung (Impedanz → Breite)
  • Praktische Hinweise für die Anwendung im realen PCB-Design

1. Was ist eine Stripline?

Eine Stripline ist eine Übertragungsleitungsstruktur, bei der ein Signalleiter (Trace) zwischen zwei Masseflächen (Ground Planes) eingebettet ist. Sie entspricht einer Signalführung in der Innenlage eines Mehrlagen-PCB.

Die charakteristische Impedanz wird im Wesentlichen durch folgende drei Parameter bestimmt:

  • Leiterbreite W
  • Relative Permittivität des Substrats εr
  • Abstände H und h zwischen Leiter und Masseflächen

Vergleich: Stripline vs. Microstrip

Eigenschaft Stripline Microstrip
Aufbau Innenleiter zwischen zwei GND-Lagen Außenleiter auf einer Seite + GND-Rückseite
EMV-Verhalten Gut (geringe Abstrahlung) Schlechter (höhere Abstrahlung)
Impedanzstabilität Hoch Mittel
Fertigungskosten Höher (Mehrlagentechnik erforderlich) Niedriger (Doppelseitig ausreichend)
Zugänglichkeit Gering (Innenlage) Hoch (Außenlage, leicht zugänglich)

Bei hohen Frequenzen und strengen EMV-Anforderungen wird die Stripline bevorzugt; für kostensensitive oder einfach modifizierbare Designs empfiehlt sich die Microstrip.


2. Bedeutung der charakteristischen Impedanz

Die charakteristische Impedanz Z₀ beschreibt das Verhältnis von Spannung zu Strom auf einer Leitung. Stimmen die Impedanzen von Quelle, Leitung und Last nicht überein (Impedanzfehlanpassung), entstehen Signalreflexionen mit folgenden Konsequenzen:

  • Schwingneigung und Überschwingen am Empfangsende
  • Erhöhte Übertragungsverluste
  • Verschlechterung der Gesamtperformance

In der Hochfrequenztechnik (RF) wird üblicherweise 50 Ω als Systemimpedanz verwendet.


3. Impedanzberechnung in uSimmics (ehemals QucsStudio)

Beispiel-Substratspezifikation

Die folgenden Berechnungen beziehen sich auf ein PCB mit diesen Eigenschaften:

Parameter Wert
Substratmaterial FR-4
Relative Permittivität εr 4,5
Verlustfaktor tanδ 0,02
Leitermaterial Kupfer (Cu)
Leiterdicke T 20 µm
Dielektrikumsdicke H 0,9 mm
Leiterposition h 0,44 mm
Zielimpedanz 50 Ω

Schritt 1: uSimmics (ehemals QucsStudio) starten und Berechnungswerkzeug öffnen

  1. uSimmics (ehemals QucsStudio) starten.
  2. Im Menü „Tools“ → „Line Calculation“ auswählen, um den Transmission Line Calculator zu öffnen.
  3. Im Dropdown „choice“ den Eintrag „Stripline“ wählen.

Schritt 2: Substratparameter eingeben (Properties)

Im Bereich „Properties“ werden die Substratparameter eingetragen:

Parameter Beschreibung Eingabewert
εr (relative Permittivität) Dielektrische Eigenschaft des Substrats. FR-4 typisch 4,5. Genauen Wert beim Substrathersteller prüfen. 4,5
tanδ (Verlustfaktor) Maß für dielektrische Verluste. Beeinflusst Übertragungsverluste, nicht direkt die Impedanz. 0,02
Resistivity (spezifischer Widerstand) Elektrischer Widerstand des Leiters. Für Kupfer: 1,72×10⁻⁸ Ω·m 1,72e-8
Conductor µr (relative Permeabilität) Relative Permeabilität des Leiters. Für Kupfer: 1 1
Roughness (Rauigkeit) Oberfläche des Leiters. Ab GHz-Bereich durch Skin-Effekt relevant. Substratabhängig
T (Leiterdicke) Dicke des Signaltrace 20 µm
H (Dielektrikumsdicke) Gesamtdicke zwischen oberem und unterem GND-Plane 0,9 mm
h (Leiterposition) Abstand von unterer GND-Plane zur Mitte des Signaltrace 0,44 mm

Schritt 3: Frequenz einstellen

Im Bereich „Parameters“ die Analysefrequenz eingeben. Empfohlen wird eine repräsentative Frequenz aus dem geplanten Betriebsbereich.

Schritt 4: Impedanz berechnen und überprüfen

Im Bereich „Dimensions“ stehen zwei Berechnungsrichtungen zur Verfügung:

Vorwärtsrechnung (W → Z₀): Leiterbahnbreite W eingeben → Impedanz Z₀ wird berechnet.

Rückwärtsrechnung (Z₀ → W): Zielimpedanz Z₀ eingeben → erforderliche Leiterbahnbreite W wird berechnet.

Für die oben genannte Substratspezifikation ergibt die Berechnung eine Leiterbahnbreite von 358 µm für eine Leitungsimpedanz von 50 Ω.


4. Hinweise für die praktische Anwendung

  • Die Berechnungsergebnisse sind Theoriewerte; in der realen PCB-Fertigung entstehen prozessbedingte Toleranzen.
  • Durch das Ätzverfahren (Subtractive Process) entsteht ein trapezförmiger Leiterquerschnitt (Undercut), der zu Abweichungen zwischen Berechnung und Messung führen kann (Details im verlinkten Artikel).
  • Die Permittivität des Substrats variiert mit Temperatur, Feuchtigkeit und Frequenz – Designmargen sind daher einzuplanen.
  • Ab einigen GHz hat die Leiterrauigkeit einen messbaren Einfluss auf die Übertragungsverluste.

5. Zusammenfassung

Mit dem Transmission Line Calculator von uSimmics (ehemals QucsStudio) lässt sich die charakteristische Impedanz von Striplines effizient berechnen. Durch präzise Substratparametereingabe und die Rückwärtsrechnungsfunktion lässt sich der PCB-Designprozess erheblich rationalisieren. Für hochwertige Hochfrequenzschaltungen ist es wichtig, die Diskrepanz zwischen theoretischer Berechnung und realer Fertigung zu kennen und Designmargen entsprechend einzuplanen.


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