In uSimmics (ehemals QucsStudio) können Messdaten oder herstellerseitige S-Parameter-Dateien im Touchstone-Format in die Schaltkreissimulation eingebunden werden. Dieser Artikel zeigt am Beispiel eines TDK-Tiefpassfilters den vollständigen Ablauf – von der Komponentenplatzierung über die Schaltungserstellung bis zur Simulationsauswertung.
- Was Sie lernen werden
- Was sind S-Parameter?
- Was ist das Touchstone-Format?
- Verwendetes Beispielbauteil
- Schritt 1: „S parameter file“-Komponente platzieren
- Schritt 2: S-Parameter-Datei zuweisen
- Schritt 3: Schaltplan erstellen und Simulationsbedingungen einstellen
- Schritt 4: Simulation ausführen
- Simulationsergebnisse auswerten
- Wichtige Hinweise
- Verwandte Artikel
Was Sie lernen werden
- Grundbegriffe der S-Parameter (Streuparameter) und deren Anwendungsgebiete
- Was das Touchstone-Format (.s2p usw.) ist
- Import-Verfahren für S-Parameter-Dateien in uSimmics (ehemals QucsStudio)
- Schaltplanerstellung und Einstellung der Simulationsbedingungen
- Anzeige und Bewertung der Simulationsergebnisse
Was sind S-Parameter?
S-Parameter (Streuparameter) beschreiben das elektrische Verhalten von HF- und Mikrowellenschaltungen. Während konventionelle Schaltungsanalyse auf Strom und Spannung basiert, verhalten sich Signale im Hochfrequenzbereich als Wanderwellen. S-Parameter beschreiben das Verhältnis von reflektierten zu transmittierten Wellen und sind daher der Standard für HF-Analysen.
| Parameter | Bezeichnung | Bedeutung |
|---|---|---|
| S11 | Eingangsreflexionskoeffizient | Anteil des an Port 1 reflektierten Signals. Für VSWR-Bewertung von Antennen. |
| S21 | Vorwärts-Transmissionskoeffizient | Anteil des von Port 1 zu Port 2 transmittierten Signals. Gibt Filtergewinnung/-dämpfung an. |
| S12 | Rückwärts-Transmissionskoeffizient | Transmission von Port 2 nach Port 1 (Isolation). |
| S22 | Ausgangsreflexionskoeffizient | Anteil des an Port 2 reflektierten Signals. |
Was ist das Touchstone-Format?
Das Touchstone-Format ist ein branchenübliches Textdateiformat für S-Parameter-Daten. Die Dateiendung gibt die Portanzahl an:
| Endung | Portanzahl |
|---|---|
| .s1p | 1-Port (z. B. Antenne, Kondensator) |
| .s2p | 2-Port (z. B. Filter, Verstärker) |
| .s3p | 3-Port |
| .s4p | 4-Port (z. B. Balun, Hybridkoppler) |
S-Parameter-Dateien werden durch Netzwerkanalysatoren oder Schaltkreissimulatoren erzeugt. Hersteller wie TDK, Murata oder AVX stellen Touchstone-Dateien für ihre HF-Bauelemente auf ihren Webseiten bereit.
Verwendetes Beispielbauteil
Dieser Artikel verwendet den TDK-Tiefpassfilter DEA070787LT-4002A1 als Beispiel. Die S-Parameter-Datei (dea070787lt-4002a1.s2p) ist auf der TDK-Produktseite verfügbar.
Schritt 1: „S parameter file“-Komponente platzieren
- Starten Sie uSimmics (ehemals QucsStudio) und erstellen Sie einen neuen Schaltplan.
- Wählen Sie im linken Komponentenpanel die Registerkarte „Components“.
- Öffnen Sie die Kategorie „system components“.
- Wählen Sie die Komponente „S parameter file“ aus der Liste.
- Platzieren Sie sie per Drag & Drop oder Klick im Schaltplan-Editor.
Schritt 2: S-Parameter-Datei zuweisen
- Doppelklicken Sie auf die platzierte „S parameter file“-Komponente.
- Das Eigenschaftsfenster öffnet sich.
- Klicken Sie auf „Browse“.
- Wählen Sie im Dateiauswahldialog die heruntergeladene
.s2p-Datei aus. - Prüfen Sie im Abschnitt „Ports“, dass die Portanzahl auf
2eingestellt ist. - Klicken Sie auf „Apply“.
Die Verknüpfung zwischen Komponente und S-Parameter-Datei ist nun hergestellt.
Schritt 3: Schaltplan erstellen und Simulationsbedingungen einstellen
3-1. Signalquelle platzieren
- Platzieren Sie aus „Sources“ eine „Power Source“ (Ausgangsimpedanz: 50 Ω Standard).
3-2. Schaltung verbinden
- Verbinden Sie Port 1 der Quelle mit Port 1 der S-Parameter-Komponente (Eingang).
- Verbinden Sie Port 2 (Ausgang) mit einem Abschlusswiderstand oder dem nächsten Schaltungsblock.
- Verbinden Sie alle Elemente mit GND.
3-3. S-Parameter-Simulation platzieren
- Platzieren Sie aus „Simulations“ die Komponente „S-parameter simulation“.
- Doppelklicken und stellen Sie folgende Parameter ein:
| Einstellung | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Graphtyp | Logarithmisch | Für breite Frequenzbereiche empfohlen. |
| Startfrequenz | 100 MHz | Unterhalb der unteren Betriebsfrequenz beginnen. |
| Stoppfrequenz | 10 GHz | Obere Betriebsfrequenz des Bauteils berücksichtigen. |
| Messpunktanzahl | 201 | Richtwert ca. 10 Punkte/Dekade. |
Schritt 4: Simulation ausführen
- Wählen Sie „Simulate“ → „Simulate“ oder klicken Sie auf das Zahnradsymbol.
- Speichern Sie die Datei, falls ein Dialog erscheint.
- Die Simulation wird ausgeführt, Ergebnisse werden automatisch dargestellt.
Simulationsergebnisse auswerten
S21 (Einsetzdämpfung)
- Durchlassbereich: S21 nahe 0 dB und flach.
- Sperrbereich: Ausreichende Dämpfung oberhalb der Grenzfrequenz.
- Grenzfrequenz: Frequenz, bei der S21 = −3 dB.
S11 (Rücklaufverlust)
- Im Durchlassbereich sollte S11 niedrig sein (≤ −15 dB), um geringe Eingangsreflexion zu bestätigen.
Wichtige Hinweise
- Stellen Sie sicher, dass der Frequenzbereich der S-Parameter-Datei den Simulationsbereich abdeckt. Extrapolationswerte außerhalb des Dateibereichs sind unzuverlässig.
- S-Parameter werden unter bestimmten Bedingungen (Temperatur, Biasspannung) gemessen. Stellen Sie sicher, dass die Messbedingungen Ihrem Anwendungsfall entsprechen.
- S-Parameter aus LTSpice, ADS oder anderen Simulatoren können ebenfalls importiert und mit eigenen Schaltungen verglichen werden.
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