Tiefpassfilter-Design mit uSimmics (ehemals QucsStudio) für Sub-GHz-Anwendungen [2026]

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Was Sie lernen werden

  • Warum Tiefpassfilter in Sub-GHz-Kommunikationssystemen erforderlich sind (Oberwellenunterdrückung)
  • Erstellung eines Filtererstentwurfs mit dem Filter-Synthesis-Tool in uSimmics (ehemals QucsStudio)
  • Überführung idealer Bauteilwerte in handelsübliche Standardwerte und Leistungsüberprüfung
  • Monte-Carlo-Analyse zur Bewertung des Toleranzeinflusses auf die Filtereigenschaften
  • Abwägung zwischen Toleranzklasse, Filterleistung und Bauteilkosten

Schritt 1: Spezifikationsziele festlegen

Warum ist ein Tiefpassfilter erforderlich?

Zur Überbrückung größerer Entfernungen wird das Sendesignal mit einem Verstärker amplitudiert. Um die Energieeffizienz zu maximieren, wird der Verstärker nahe seiner Sättigungsgrenze betrieben – dabei entstehen zwangsläufig Verzerrungen und Oberwellen bei ganzzahligen Vielfachen der Grundfrequenz. Diese Oberwellen können andere Funksysteme stören und müssen gemäß den nationalen Frequenzvorschriften auf vorgeschriebene Grenzwerte begrenzt werden.

Ein Tiefpassfilter lässt die Nutzfrequenz passieren, während er die Oberwellen dämpft.

Entwurfsziele

Als Referenz dient das integrierte TDK-Tiefpassfilter „DEA100915LT-6319A1″. Die folgenden Leistungsdaten werden angestrebt:

Parameter Zielwert Frequenzbereich
Einfügedämpfung ≤ 0,5 dB 824–915 MHz
Sperrdämpfung ≥ 18 dB 1648–1830 MHz

Schritt 2: Erstentwurf mit dem Filter-Synthesis-Tool

uSimmics (ehemals QucsStudio) enthält das „Filter Synthesis“-Werkzeug zur automatischen Generierung von Filterschaltungen. Damit wird der Erstentwurf entsprechend den Zielspezifikationen erstellt.

Referenz: Filter-Synthesis-Anleitung

Konfiguration des Filter-Synthesis-Tools

Es wird ein Butterworth-Tiefpassfilter (maximale Flachheit im Durchlassbereich) mit folgenden Einstellungen entworfen:

  • Filtertyp: Butterworth-Tiefpass (minimalster Rippel im Durchlassbereich)
  • Ordnung: 6
  • Grenzfrequenz: 1,1 GHz

Die vom Filter-Synthesis-Tool berechneten L- und C-Werte lauten:

Bauteil Berechneter Wert
L1 10,23 nH
L2 13,94 nH
L3 3,745 nH
C1 1,498 pF
C2 5,59 pF
C3 4,092 pF

Die Simulation des generierten Filters bestätigt, dass die Zielspezifikationen erfüllt werden.


Schritt 3: Umstellung auf handelsübliche Bauteilwerte

Die Berechnungswerte werden auf die nächstliegenden Standardwerte handelsüblicher Induktivitäten und Kondensatoren gerundet und die Simulation erneut durchgeführt.

Bauteil Berechneter Wert Verwendeter Wert
L1 10,23 nH 10 nH
L2 13,94 nH 14 nH
L3 3,745 nH 3,7 nH
C1 1,498 pF 1,5 pF
C2 5,59 pF 5,6 pF
C3 4,092 pF 4,1 pF

Auch nach der Rundung auf Standardwerte erfüllt das Simulationsergebnis die Zielspezifikationen.


Schritt 4: Monte-Carlo-Toleranzanalyse

Reale Kondensatoren und Induktivitäten weisen fertigungsbedingte Streuungen auf. Um deren Einfluss auf die Filtereigenschaften zu bewerten, wird eine Monte-Carlo-Analyse durchgeführt.

Referenz: Monte-Carlo-Analyse – Anleitung

Analysebedingungen

Üblicherweise sind Kondensatoren und Induktivitäten in verschiedenen Toleranzklassen erhältlich. Da engere Toleranzen höhere Bauteilkosten bedeuten, sollte die breiteste noch akzeptable Toleranzklasse gewählt werden.

Zunächst wird die Analyse mit der weitesten Toleranz durchgeführt:

Bauteil Wert Toleranz
L1 10 nH ±5 %
L2 14 nH ±5 %
L3 3,7 nH ±0,2 nH
C1 1,5 pF ±0,25 pF
C2 5,6 pF ±0,25 pF
C3 4,1 pF ±0,25 pF

Für die Bauteilstreuung wird eine Normalverteilung angenommen. Der Worst Case entspricht 4σ. Bei 10 nH und 4σ = 5 % ergibt sich σ = 1,25 %.

Ergebnisse (weite Toleranz)

Messpunkt Typischer Wert Worst Case
Einfügedämpfung (915 MHz) −0,481 dB −0,695 dB
Sperrdämpfung (1650 MHz) −20,9 dB −19,9 dB

Selbst im Worst Case werden die Zielspezifikationen (Einfügedämpfung ≤ 0,5 dB, Sperrdämpfung ≥ 18 dB) eingehalten.

Vergleich mit engerer Toleranz

Wenn die Streuung zu groß ist, können engere Toleranzklassen gewählt werden – beispielsweise ±3 % für Induktivitäten und ±0,1 pF für Kondensatoren. In der Praxis ist stets der Kompromiss zwischen Spezifikationserfüllung und Bauteilkosten zu berücksichtigen.


Vergleich mit dem Referenzbauteil

Das simulierte Filter kann direkt mit den S-Parametern des Referenzbauteils DEA100915LT-6319A1 verglichen werden:

  • Rot: Simuliertes Filter
  • Blau: Messwerte des DEA100915LT-6319A1

Dieser Vergleich erlaubt eine quantitative Bewertung der Entwurfsqualität und zeigt vorhandene Optimierungspotenziale auf.


Zusammenfassung

Der Entwurfsablauf in uSimmics (ehemals QucsStudio) – automatischer Erstentwurf mit Filter Synthesis, Überführung in Standardbauteilwerte und statistische Toleranzanalyse mit Monte Carlo – ermöglicht eine effiziente und fundierte Tiefpassfilterentwicklung für Sub-GHz-Anwendungen. Die leistungsstarken Simulations- und Analysefunktionen von uSimmics (ehemals QucsStudio) sind dabei ein unverzichtbares Werkzeug.


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