- Was Sie lernen werden
- Grundlagen der S-Parameter (Streuparameter)
- Gesamtablauf des S-Parameter-Exports
- Schritt 1: Neues Projekt anlegen
- Schritt 2: Schaltplan erstellen
- Schritt 3: S-Parameter-Simulation konfigurieren
- Schritt 4: Simulation ausführen
- Schritt 5: Simulationsergebnisse prüfen
- Schritt 6: S-Parameter exportieren (SnP-Format)
- Praktische Anwendungsbeispiele
- Fehlerbehebung
- Weiterführende Artikel
Was Sie lernen werden
- Grundlagen der S-Parameter (S11, S21) und ihre Bedeutung für die HF-Schaltungsanalyse
- Projekterstellung und Schaltplanaufbau in uSimmics (ehemals QucsStudio)
- Durchführung der Simulation und Erzeugung der .dat-Datei
- Export der Simulationsdaten im Touchstone-Format (SnP)
- Fehlerbehebung bei unerwarteten Simulationsergebnissen
Grundlagen der S-Parameter (Streuparameter)
S-Parameter (Scattering Parameters) beschreiben das elektrische Verhalten von Schaltungen im HF- und Mikrowellenbereich. Während in der klassischen Schaltungsanalyse Strom und Spannung als Beschreibungsgrößen dienen, werden im GHz-Bereich Signale als laufende Wellen behandelt. S-Parameter beschreiben das Verhältnis von einfallender, reflektierter und transmittierter Welle – und sind damit das Standardwerkzeug der HF-Technik.
Wichtige S-Parameter
S11 (Reflexionskoeffizient)
S11 gibt an, welcher Anteil des an Port 1 eingespeisten Signals dorthin zurückreflektiert wird. Er wird zur Bewertung der Eingangsimpedanzanpassung und des VSWR bei Antennen verwendet. Ein niedriger S11-Wert (z. B. unter −20 dB) bedeutet geringe Reflexion und gute Anpassung.
S21 (Transmissionskoeffizient)
S21 beschreibt, welcher Anteil des an Port 1 eingespeisten Signals an Port 2 ankommt. Er dient zur Bewertung der Einfügedämpfung von Filtern und der Verstärkung von Verstärkern. Bei verlustfreier Übertragung gilt S21 = 0 dB (100 % Transmission).
Gesamtablauf des S-Parameter-Exports
Der vollständige Arbeitsablauf zum Exportieren von S-Parametern in uSimmics (ehemals QucsStudio) umfasst folgende Schritte:
- Neues Projekt anlegen
- Schaltplan erstellen (Bauteile platzieren und verdrahten)
- S-Parameter-Simulation konfigurieren (Frequenzbereich, Stützstellen)
- Simulation ausführen (.dat-Datei erzeugen)
- Simulationsergebnisse prüfen (Diagramme, Smith-Diagramm)
- .dat-Datei ins SnP-Format exportieren
Schritt 1: Neues Projekt anlegen
uSimmics (ehemals QucsStudio) verwaltet Schaltpläne und Simulationsergebnisse projektbezogen. Alle zugehörigen Dateien werden in einem gemeinsamen Ordner gespeichert.
- uSimmics (ehemals QucsStudio) starten.
- Den Reiter „Project“ auswählen.
- Auf „New“ klicken.
- Projektname eingeben und Speicherort festlegen.
- Mit „OK“ bestätigen.
Am angegebenen Speicherort wird automatisch ein Projektordner erstellt. Alle nachfolgenden Dateien – Schaltpläne, Simulationsergebnisse und Exportdateien – werden dort abgelegt.
Schritt 2: Schaltplan erstellen
Als Beispielschaltung wird in diesem Artikel ein Butterworth-Tiefpassfilter 3. Ordnung (LC) verwendet, der mit dem Filter-Synthesis-Tool von uSimmics (ehemals QucsStudio) entworfen wurde (siehe https://denki-sim.blog/filter-synthesis_guide/).
Sie können entweder die automatisch generierte Schaltung aus dem Filter-Synthesis-Tool einfügen oder die Schaltung manuell aufbauen:
- Aus „Components“ → „Lumped Components“ Induktivitäten und Kondensatoren platzieren.
- Aus „Sources“ → „Power Source“ eine Eingangsquelle platzieren.
- Auf der Ausgangsseite einen Abschlusswiderstand (50 Ω) platzieren.
- Alle Bauteile verdrahten und GND-Symbole setzen.
Schritt 3: S-Parameter-Simulation konfigurieren
Der Frequenzbereich und die Auflösung der exportierten S-Parameter hängen von den Simulationseinstellungen ab. Stellen Sie sicher, dass der relevante Frequenzbereich vollständig abgedeckt wird.
- Das S-Parameter-Simulationselement (
s-parameter simulation) auf dem Schaltplan doppelklicken. - Folgende Parameter einstellen:
| Parameter | Beispielwert | Beschreibung |
|---|---|---|
| Startfrequenz | 1 MHz | Untere Grenze des Simulationsbereichs |
| Stoppfrequenz | 3 GHz | Obere Grenze – muss die Grenzfrequenz des Filters deutlich überschreiten |
| Frequenzpunkte | 301 | Anzahl der Stützstellen; mehr Punkte erhöhen die Genauigkeit, verlängern aber die Rechenzeit |
- Mit „Apply“ → „OK“ speichern.
Hinweis: Frequenzbereich und Anzahl der Stützstellen bestimmen direkt die Frequenzachse der exportierten SnP-Datei. Nachträgliche Änderungen erfordern eine erneute Simulation.
Schritt 4: Simulation ausführen
- Im Menü „Simulation“ → „Simulate“ wählen (oder F2 drücken).
- Falls ein Speicherdialog erscheint, die Datei unter einem aussagekräftigen Namen im Projektordner speichern.
- Nach erfolgreicher Simulation wird im Projektordner eine Datei mit der Endung
.daterzeugt.
Die .dat-Datei ist das interne Simulationsergebnis-Format von uSimmics (ehemals QucsStudio). Aus dieser Datei wird im nächsten Schritt das SnP-Format exportiert.
Schritt 5: Simulationsergebnisse prüfen
Bevor der Export durchgeführt wird, sollten die Simulationsergebnisse auf Plausibilität geprüft werden.
- Nach Abschluss der Simulation werden die Diagramme automatisch angezeigt.
- Im S21-Diagramm (Einfügedämpfung) die Filtereigenschaften überprüfen: Durchlassbereich, Grenzfrequenz, Sperrdämpfung.
- Im S11-Diagramm oder Smith-Diagramm die Eingangsanpassung kontrollieren.
- Im Reiter „Content“ (oder „Project“) unter „Datasets“ sicherstellen, dass die
.dat-Datei angezeigt wird.
Falls die .dat-Datei nicht angezeigt wird:
Projekt speichern (Strg + S), uSimmics (ehemals QucsStudio) schließen und das Projekt erneut öffnen.
Schritt 6: S-Parameter exportieren (SnP-Format)
Jetzt werden die S-Parameterdaten im Touchstone-Format (SnP) exportiert.
- Im Reiter „Content“ unter „Datasets“ die
.dat-Datei mit der rechten Maustaste anklicken. - Im Kontextmenü „Export to SnP“ auswählen.
- Der Export wird ausgeführt. Im Projektordner wird je nach Schaltungstyp eine SnP-Datei erzeugt:
- 2-Tor-Schaltung:
.s2p-Datei - 1-Tor-Schaltung:
.s1p-Datei
Die exportierte SnP-Datei entspricht dem industriestandardisierten Touchstone-Format und kann in folgenden Tools weiterverwendet werden:
- Keysight ADS, Microwave Office und andere kommerzielle HF-Simulatoren
- LTSpice (eingeschränkte Importfunktion)
- NanoVNA (Vektornetzwerkanalysator) zur Messwertverifikation
- Python-Bibliothek
scikit-rffür numerische Analysen
Praktische Anwendungsbeispiele
S-Parameter-Export ist besonders wichtig in folgenden Situationen:
Filterverifikation
Den simulierten S21-Verlauf des Filters exportieren und mit dem am Netzwerkanalysator gemessenen S21 der gefertigten Platine vergleichen – so lassen sich Abweichungen zwischen Simulation und Aufbau quantitativ bewerten.
Antennenentwicklung
S11 (VSWR) der Antenne exportieren und in anderen Tools für die Analyse von Antenneneffizienz und Abstrahldiagramm verwenden.
Verstärkerstabilitätsanalyse
S-Parameter des Verstärkers exportieren und in externen Tools die Stabilitätsfaktoren (μ-Faktor, K-Faktor) berechnen.
Fehlerbehebung
| Symptom | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| S11 über gesamten Frequenzbereich hoch | Impedanzfehlanpassung an Ein-/Ausgang, GND nicht verbunden | Schaltungsverbindungen prüfen, Impedanz der Signalquelle kontrollieren |
| S21 unerwartet hoch (zu geringe Dämpfung) | Falscher Bauteilwert, Verdrahtungsfehler | Bauteilwerte im Schaltplan überprüfen |
| .dat-Datei wird nicht erzeugt | Simulation nicht ausgeführt, Zugriffsproblem auf Speicherort | Schreibrechte des Projektordners prüfen, Simulation erneut starten |
| Kontextmenü „Export to SnP“ fehlt | .dat-Datei nicht ausgewählt | Im Reiter „Content“ unter „Datasets“ die .dat-Datei mit Rechtsklick auswählen |
| Frequenzbereich unvollständig | Simulationsfrequenzbereich zu eng | Einstellungen der s-parameter simulation anpassen und erneut simulieren |
Weiterführende Artikel
- S-Parameterdatei in uSimmics (ehemals QucsStudio) importieren [2026]
- Filter Synthesis in uSimmics (ehemals QucsStudio) – Anleitung [2026]
- Create Matching Circuit in uSimmics (ehemals QucsStudio) [2026]
- Transmission Line Calculator in uSimmics (ehemals QucsStudio) [2026]
- Qucsattenuator in uSimmics (ehemals QucsStudio) [2026]


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